Montag, Dezember 22, 2008

Weihnachtsmärkte 2008


Resultierend aus meiner gleichmäßig über Deutschland verteilten Familie (exklusive Bayern) bin ich dank ein bissl Rumfahrerei in den Genuss verschiedener Weihnachtsmärkte gekommen. Mit gemischtem Fazit.



Dresden:
Bisher kannte ich ja nur den ältesten deutschen Fress- und Ergebirgszeugsverseuchten Striezlmarkt, zu dem Busladungen an schein- und halbtoten Menschen gekarrt werden. Als Entschädigung wurde das mittelalterliche Spektakulum im Schlosshof geschaffen – mit Met, Rahmfleckl und Schwein am Spieß, das in Gulden bezahlt, mit allerlei Narrentum und Kerzenlicht. Dagegen waren die Weihnachtsmarkterfahrungen im sonstigen Deutschland und darüber hinaus eher ernüchternd – mit kleinen Ausnahmen.

Berlin:
Berlin geizt nicht mit Weihnachtsmärkten, in Ost und West, in klein und groß. Die Mitbewohnerin wollte unbedingt am Alex Kettenkarussell fahren. Mir blieb das Wort im Halse stecken als ich anstatt des gemütlichen, Retro-getrimmten Karussells ein grellbunt beleuchtetes, etwa 50m in die Höhe reichendes Monstrum erblickte. Und auch der als „gemütlich“ angepriesene Markt am Platz der Vereinten Nationen erinnerte eher an einen Proll-Rummel als an einen Weihnachtmarkt. Das hatten wohl auch die Menschen in der umliegenden Platte gemerkt und waren zu Hause geblieben. Ein surreales Geisterstadt-Erlebnis inmitten von riesigen Plaste-Krippen, Losbuden und wild blinkenden Fahrgeschäften.
Einziger Lichtblick in Berlin – der Markt in der Kulturbrauerei. Klar, gibt’s auch hier Allerweltsesoterik und ein bisschen viel Futterei. Aber der Glöggi, schräge Schlüsselanhänger, Retro-Kinderspielzeug, Aufwärmjacken und ein nettes Publikum machten aus ihm den schönsten Markt in Berlin.

Hamburg:
Man könnte meinen, die Hamburger kriegen das ganze Jahr über nichts zu Essen und sind kurz vorm Verdursten. Etwa 80 Prozent aller Buden auf dem Rathaus-Markt und am Gerhardt-Hauptmann-Platz sind Fresserei und Sauferei. Wahrscheinlich lassen sich das pissrige Wetter und die restlichen 20 Prozent Standard-Buden nicht anders ertragen als durch eine gewisse Glühwein-Glückseligkeit. Highlight ist der Weihnachtsmann, der sich „hohohoend“ am Seil über den Weihnachtsmarkt bewegt.
Ein winziger Lichtblick – der Markt am Jungfernstieg. Hier geht’s ein wenig stilvoller zu, aber das ist nix für das gemeine Praktikantenportemonnaie.

Strasbourg:
Die Weihnachtshauptstadt. So nennt sie sich selbst. Mit großen Erwartungen tief gefallen. Die gesamte Stadt ist bunt geschmückt, es blinkt ganz viel und auch vor kitschverdächtigen Bärchen und Elchen an Häuserwänden wird nicht zurück geschreckt. Direkt vorm Münster ist der Proll-Faktor erträglich, aber darüber hinaus sind Tweeties mit Weihnachtsmützen, schreiend bunte Leckerein sowie bunte Lichterketten im Überangebot. Besonders gefreut hatte ich mich auf den Markt der europäischen Nationen. Aber dass in Schottland vor allem Kerzen, in Spanien Seife hergestellt wird war mir neu und da man all das auf den anderen Märkten so wieder findet, eher enttäuschend. Tiefpunkt war der Glühwein – aus Plastebechern.

Moers:
An diesen Weihnachtsmarkt habe ich wunderbare Kindheitserinnerungen – gebrannte Mandeln, bunte Steinchen und eine heimelige Atmosphäre.

Der nostalgische Familienausflug geriet zu einer überhasteten Flucht vor der „Weihnachtsbühne“, auf der seichte Pop-Weihnachtsschnulzen playback zum Besten gegeben wurden. Zwar gab es allerlei Außergewöhnliches: Minze, die 100% Rauch in einem Zimmer tilgt, Schalke-Windlichter, neben Glühwein auch immer ein gezapftes Pils, einen Stand mit geräuchertem Aal und einen Auto-Scooter. Die weihnachtlichen Gefühle, wohl vor allem der kindlichen Erinnerung geschuldet, blieben aus. Toll war allerdings der Stand mit den vielen Bonbons und die handelswilligen Händler mit denen ich mal wieder eine verlorene Mütze ersetzen konnte.

video

Wenn das unser gemütliches, besinnliches Weihnachten in Deutschland ist, was hat dann bloß der Rest der Welt daraus gemacht?

- Fröhliche Weihnachten -

Mittwoch, Dezember 17, 2008

Strasbourg 16.Dezember

Während ich gerade am offenen Fenster sitze (da trotz Nichtraucherschildern mein Hotelzimmer wie eine Kneipe stinkt) und dabei eine Creme Caramel verspeise (die es so nur in France gibt) lasse ich die ersten anderthalb Tage in Strasbourg Revue (dada!!) passieren. (Für die Nichteingeweihten, ich darf eine Sitzungswoche miterleben – nicht den Weihnachtsmarkt wie meine Schwester unlängst behauptete).

Also erste Eindrücke:
TGV – wenn der ICE so verrottet aussehen würde, hätte die Bahn nicht nur ein Problem mit den Achsen.

Weihnachtsmärkte – für eine Stadt die sich selbst Weihnachtshauptstadt nennt, ist Glühwein aus Plastebechern eher kläglich. Sonst Allerweltskrimskrams.

Parlament – sinnvolle Beschilderung ist total überbewertet, hier bekommt der „Dschungel Europa“ eine ganz handfeste Bedeutung.

Französisch – wer dachte Englisch wäre die Lingua, ist auf dem Holzweg, hier ist es eindeutig Französisch. Je suis desolée...  Vorsätze fürs neue Jahr (tbd)

Der Pate – es gibt ihn. Hier. Alejo Vidal Quadras. Fast vom Hocker resp. der Besuchertribüne gefallen vor Lachen als er Präsident Pöttering ablöste. Komische Blicke geerntet.

Preise – für jemanden der noch Mensa-Preise und Studentenermäßigungen in Berlin und Dresden gewöhnt ist, ein ziemlicher Schocker. Drei eher übersichtliche Pfannkuchen für 6,50 in der Kantine. Autsch.

Babylon – sicherlich viel zu nahe liegend, aber dieses Sprachenwirrwarr ist faszinierend, und die dahinter stehende Organisation des Dolmetscherdienstes beeindruckend. Nur die Kopfhörer schmerzen auf die Dauer.

Sitzungswoche – ich habe wohl die coolste Woche des Jahres erwischt (abgesehen von den Weihnachtsmärkten ;-):
1. Heute war Sarkos Verabschiedung als Ratspräsident – reden kann er ja, und wirkt dabei ständig wie ein kleiner schelmischer Junge. Französischer Charme?
2. Außerdem ist großer Show-Down fürs Klima-Paket – heute gabs die Aussprache morgen wird abgestimmt. (Auch wenn ich weiß, dass im Sinne der Arbeitsfähigkeit ein Parlament nicht ständig vollbesetzt sein muss/sollte, war die Präsenz während der Aussprache schon enttäuschend. Man fragt sich für wen die das machen, denn Öffentlichkeit ist das nicht, 100 Leute auf den Besuchertribünen, davon die Hälfte Stagiaires.)
3. Sacharow-Preis – Das Europäische Parlament verleiht morgen zum 20. Mal den Preis für geistige Freiheit. Der Preisträger Hu Jia sitzt in China im Gefängnis. Dafür waren heute zum Jubiläum die früheren Preisträger zu einer Feier und Diskussion geladen. Sehr beeindruckend fand ich Hauwa Ibrahim, Menschenrechtsanwältin in Nigeria.

Samstag, Dezember 06, 2008

Damals.

Überall schreit es „damals“. Es ist ein „damals“, das aus Vorkriegszeiten stammen könnte, und sich doch nur auf dieses Jahrtausend bezieht. Es ist mit ein bisschen Wehmut über die vergangene Zeit getränkt, aber auch mit Stolz und Freude, Teil dieser Stadt und ihrer Entwicklung zu sein. Ein bisschen Abschied.


Damals, als die Frauenkirche noch nicht stand. Damals, als auf dem Postplatz noch das schiere Chaos herrschte. Damals, als es die SLUB noch nicht gab. Damals, als man in der Neustadt noch mit Kohleofen heizen konnte/musste. Damals, als noch kein Autobahnzubringer das Herz des Uni-Campus’ zerschnitt. Damals, als es noch keine Altmarktgalerie, keine Prager-Spitze und kein Löbtau-Center gab.
Damals. Als Dresden der Nabel meiner Welt war. Alles bleibt anders.