Montag, Dezember 22, 2008

Weihnachtsmärkte 2008


Resultierend aus meiner gleichmäßig über Deutschland verteilten Familie (exklusive Bayern) bin ich dank ein bissl Rumfahrerei in den Genuss verschiedener Weihnachtsmärkte gekommen. Mit gemischtem Fazit.



Dresden:
Bisher kannte ich ja nur den ältesten deutschen Fress- und Ergebirgszeugsverseuchten Striezlmarkt, zu dem Busladungen an schein- und halbtoten Menschen gekarrt werden. Als Entschädigung wurde das mittelalterliche Spektakulum im Schlosshof geschaffen – mit Met, Rahmfleckl und Schwein am Spieß, das in Gulden bezahlt, mit allerlei Narrentum und Kerzenlicht. Dagegen waren die Weihnachtsmarkterfahrungen im sonstigen Deutschland und darüber hinaus eher ernüchternd – mit kleinen Ausnahmen.

Berlin:
Berlin geizt nicht mit Weihnachtsmärkten, in Ost und West, in klein und groß. Die Mitbewohnerin wollte unbedingt am Alex Kettenkarussell fahren. Mir blieb das Wort im Halse stecken als ich anstatt des gemütlichen, Retro-getrimmten Karussells ein grellbunt beleuchtetes, etwa 50m in die Höhe reichendes Monstrum erblickte. Und auch der als „gemütlich“ angepriesene Markt am Platz der Vereinten Nationen erinnerte eher an einen Proll-Rummel als an einen Weihnachtmarkt. Das hatten wohl auch die Menschen in der umliegenden Platte gemerkt und waren zu Hause geblieben. Ein surreales Geisterstadt-Erlebnis inmitten von riesigen Plaste-Krippen, Losbuden und wild blinkenden Fahrgeschäften.
Einziger Lichtblick in Berlin – der Markt in der Kulturbrauerei. Klar, gibt’s auch hier Allerweltsesoterik und ein bisschen viel Futterei. Aber der Glöggi, schräge Schlüsselanhänger, Retro-Kinderspielzeug, Aufwärmjacken und ein nettes Publikum machten aus ihm den schönsten Markt in Berlin.

Hamburg:
Man könnte meinen, die Hamburger kriegen das ganze Jahr über nichts zu Essen und sind kurz vorm Verdursten. Etwa 80 Prozent aller Buden auf dem Rathaus-Markt und am Gerhardt-Hauptmann-Platz sind Fresserei und Sauferei. Wahrscheinlich lassen sich das pissrige Wetter und die restlichen 20 Prozent Standard-Buden nicht anders ertragen als durch eine gewisse Glühwein-Glückseligkeit. Highlight ist der Weihnachtsmann, der sich „hohohoend“ am Seil über den Weihnachtsmarkt bewegt.
Ein winziger Lichtblick – der Markt am Jungfernstieg. Hier geht’s ein wenig stilvoller zu, aber das ist nix für das gemeine Praktikantenportemonnaie.

Strasbourg:
Die Weihnachtshauptstadt. So nennt sie sich selbst. Mit großen Erwartungen tief gefallen. Die gesamte Stadt ist bunt geschmückt, es blinkt ganz viel und auch vor kitschverdächtigen Bärchen und Elchen an Häuserwänden wird nicht zurück geschreckt. Direkt vorm Münster ist der Proll-Faktor erträglich, aber darüber hinaus sind Tweeties mit Weihnachtsmützen, schreiend bunte Leckerein sowie bunte Lichterketten im Überangebot. Besonders gefreut hatte ich mich auf den Markt der europäischen Nationen. Aber dass in Schottland vor allem Kerzen, in Spanien Seife hergestellt wird war mir neu und da man all das auf den anderen Märkten so wieder findet, eher enttäuschend. Tiefpunkt war der Glühwein – aus Plastebechern.

Moers:
An diesen Weihnachtsmarkt habe ich wunderbare Kindheitserinnerungen – gebrannte Mandeln, bunte Steinchen und eine heimelige Atmosphäre.

Der nostalgische Familienausflug geriet zu einer überhasteten Flucht vor der „Weihnachtsbühne“, auf der seichte Pop-Weihnachtsschnulzen playback zum Besten gegeben wurden. Zwar gab es allerlei Außergewöhnliches: Minze, die 100% Rauch in einem Zimmer tilgt, Schalke-Windlichter, neben Glühwein auch immer ein gezapftes Pils, einen Stand mit geräuchertem Aal und einen Auto-Scooter. Die weihnachtlichen Gefühle, wohl vor allem der kindlichen Erinnerung geschuldet, blieben aus. Toll war allerdings der Stand mit den vielen Bonbons und die handelswilligen Händler mit denen ich mal wieder eine verlorene Mütze ersetzen konnte.



Wenn das unser gemütliches, besinnliches Weihnachten in Deutschland ist, was hat dann bloß der Rest der Welt daraus gemacht?

- Fröhliche Weihnachten -

Mittwoch, Dezember 17, 2008

Strasbourg 16.Dezember

Während ich gerade am offenen Fenster sitze (da trotz Nichtraucherschildern mein Hotelzimmer wie eine Kneipe stinkt) und dabei eine Creme Caramel verspeise (die es so nur in France gibt) lasse ich die ersten anderthalb Tage in Strasbourg Revue (dada!!) passieren. (Für die Nichteingeweihten, ich darf eine Sitzungswoche miterleben – nicht den Weihnachtsmarkt wie meine Schwester unlängst behauptete).

Also erste Eindrücke:
TGV – wenn der ICE so verrottet aussehen würde, hätte die Bahn nicht nur ein Problem mit den Achsen.

Weihnachtsmärkte – für eine Stadt die sich selbst Weihnachtshauptstadt nennt, ist Glühwein aus Plastebechern eher kläglich. Sonst Allerweltskrimskrams.

Parlament – sinnvolle Beschilderung ist total überbewertet, hier bekommt der „Dschungel Europa“ eine ganz handfeste Bedeutung.

Französisch – wer dachte Englisch wäre die Lingua, ist auf dem Holzweg, hier ist es eindeutig Französisch. Je suis desolée...  Vorsätze fürs neue Jahr (tbd)

Der Pate – es gibt ihn. Hier. Alejo Vidal Quadras. Fast vom Hocker resp. der Besuchertribüne gefallen vor Lachen als er Präsident Pöttering ablöste. Komische Blicke geerntet.

Preise – für jemanden der noch Mensa-Preise und Studentenermäßigungen in Berlin und Dresden gewöhnt ist, ein ziemlicher Schocker. Drei eher übersichtliche Pfannkuchen für 6,50 in der Kantine. Autsch.

Babylon – sicherlich viel zu nahe liegend, aber dieses Sprachenwirrwarr ist faszinierend, und die dahinter stehende Organisation des Dolmetscherdienstes beeindruckend. Nur die Kopfhörer schmerzen auf die Dauer.

Sitzungswoche – ich habe wohl die coolste Woche des Jahres erwischt (abgesehen von den Weihnachtsmärkten ;-):
1. Heute war Sarkos Verabschiedung als Ratspräsident – reden kann er ja, und wirkt dabei ständig wie ein kleiner schelmischer Junge. Französischer Charme?
2. Außerdem ist großer Show-Down fürs Klima-Paket – heute gabs die Aussprache morgen wird abgestimmt. (Auch wenn ich weiß, dass im Sinne der Arbeitsfähigkeit ein Parlament nicht ständig vollbesetzt sein muss/sollte, war die Präsenz während der Aussprache schon enttäuschend. Man fragt sich für wen die das machen, denn Öffentlichkeit ist das nicht, 100 Leute auf den Besuchertribünen, davon die Hälfte Stagiaires.)
3. Sacharow-Preis – Das Europäische Parlament verleiht morgen zum 20. Mal den Preis für geistige Freiheit. Der Preisträger Hu Jia sitzt in China im Gefängnis. Dafür waren heute zum Jubiläum die früheren Preisträger zu einer Feier und Diskussion geladen. Sehr beeindruckend fand ich Hauwa Ibrahim, Menschenrechtsanwältin in Nigeria.

Samstag, Dezember 06, 2008

Damals.

Überall schreit es „damals“. Es ist ein „damals“, das aus Vorkriegszeiten stammen könnte, und sich doch nur auf dieses Jahrtausend bezieht. Es ist mit ein bisschen Wehmut über die vergangene Zeit getränkt, aber auch mit Stolz und Freude, Teil dieser Stadt und ihrer Entwicklung zu sein. Ein bisschen Abschied.


Damals, als die Frauenkirche noch nicht stand. Damals, als auf dem Postplatz noch das schiere Chaos herrschte. Damals, als es die SLUB noch nicht gab. Damals, als man in der Neustadt noch mit Kohleofen heizen konnte/musste. Damals, als noch kein Autobahnzubringer das Herz des Uni-Campus’ zerschnitt. Damals, als es noch keine Altmarktgalerie, keine Prager-Spitze und kein Löbtau-Center gab.
Damals. Als Dresden der Nabel meiner Welt war. Alles bleibt anders.

Donnerstag, November 20, 2008

details

Ich klaue mal. Hier. Und hier. Zu faul zum Selberdenken. Und is lustig.

Clothes
Nicht gerade modisch. Zurzeit extreme Spaltung zwischen Business-Look tagsüber und Schlumpf abends und am Wochenende. Außerdem immer noch alles zu eng. Verdammtes Amerika.

Furniture
Ikea. IKEA. Alle meine Möbel haben Namen. Als ich in USA nach 2 Monaten in einem Ikea drin stand musste ich fast heulen, weil ich meine Möbel so vermisst hatte. Irgendwann soll mein Lieblingszimmer mal eine Bibliothek werden, mit endlos Regalen (mit Leiter ;-)), schrulligen alten Leselampen, einem massiven alten dunklen Schreibtisch und einem riesigen Sessel, bevorzugt in einem Erker stehend.

Sweet
Ja, leider. Schokolade. Und Kekse. Und Kuchen. Und Pudding. ...

City
Dresden. Berlin. Hamburg. Shanghai. Wenn ich groß bin, möchte ich noch mal eine Weile in Chicago leben.

Drink
Wasser. Wie kann man nur dieses süße Zeug trinken. Sonst nur Sachen, die wirken: Kaffee, Bier und Wein.

Music
War nie der Held im aktiven Musiksuchen und -hören. Geschmack ist entsprechend undefiniert. Klassik zum Arbeiten. Norah Jones und Tracy Chapman zum Schmusen. Ska zum Tanzen. R.E.M., Red Hot Chilli Peppers, Santana und Simon & Garfunkel für die Laune. Seit dem Metall-Kerl generell ein bissl rockiger.

TV
Nach lang ausgelebter Fernsehsucht (selbst die 137. Wiederholung von der Nanny hab ich geschaut), dosiere ich TV-Input nur noch über DVD-Staffeln. Gilmore Girls. The West Wing. Man hat so viel mehr Zeit. Von meiner Schwester neulich genötigt worden, das Länderspiel im Livestream zu schauen.

Film
Habe mich in China gut eingedeckt mit den amerikanischen Blockbustern, für umgerechnet einen knappen Euro das Stück. Bei deutschen haperts gerade, große Bildungslücken entdeckt. Aber nach einer Stunde Diskussion, ist der Kompromiss mit dem Kerl dann wichtiger als der anspruchsvolle Film.

Workout
Versuche seit Wochen mich im Fitness-Studio anzumelden. Suche noch den rechten Kompromiss zwischen unbezahlbar und am A*** der Welt.
Also geh ich spazieren. Und sprinte ab und zu mal zur S-Bahn.

Pastries
Cooooookies!! Um all das fetttriefende Junkfood, Chips und Dips mache ich liebendgerne einen Bogen, aber bei Keksen, Kuchen und co. werd ich schwach. Nächste Woche werden Plätzchen gebacken!

Coffee
Filterkaffe mit Milch, am liebsten aus meiner Kaffeemaschine. Im Ausland auch gerne Starbucks, meist mangels trinkbarer bzw. wirkungsvoller Alternative.

Samstag, Oktober 25, 2008

Chaos



Kommentar der Mitbewohnerin: „Ohhh. Ich hab mein Zimmer immer aufgeräumt, weil ich Angst hatte, jemand könnte reingehen. Da hätt ich mir ja keine Sorgen machen müssen."

Dienstag, Oktober 21, 2008

Praktikantenkarawane

zieht weiter. Aber Zeit und Nerv über Berlin, "politische Arbeit" und generell das Praktikantendasein zu schreiben hab ich grad nich.
Dafür bau ich meine Webidentität (nennt man das so?) weiter fleißig aus.
http://twitter.com/asmDD
www.facebook.com

Aber toll isses. Zumindest Berlin.

Donnerstag, August 28, 2008

Endzeitstimmung

Worauf ich mich in Deutschland freue:
Im Alaunpark und an Prießnitz spazieren gehen
Brötchen holen
Auf dem Wochenmarkt einkaufen
Zeitung lesen am Frühstückstisch
An der Elbe ein Bier trinken
Durch die Bibliothek durchgehen
Brunch in der Planwirtschaft
einen Dürum essen
Wieder alle meine Feeds lesen zu können



Was ich vermissen werde:
Abends allein im Schwimmbad meine Runden zu drehen
Die Obstläden, insbesondere die Cherry Tomaten
Den Leuten beim Sport, Tai Chi oder Tanzen auf der Straße zu zuschauen
Die 24 Stunden Läden
Billige Taxis
Chinesische Esskultur
Vom Klo auf den Jin Mao zu gucken
Frische Nudelsuppe


Was ich NICHT vermissen werde:
Den morgendlichen und abendlichen Kampf in der U-Bahn
Die Hitze und entsprechend die Klimaanlagen(-Luft)
Die Gerüche
Die Rotzerei
Die Huperei, generell den ständigen Lärm
Den löslichen Kaffee

Montag, August 25, 2008

Die kindliche Gesellschaft

Der Besuch des Qixing-Parkes in Guilin hat mir die Augen geöffnet; plötzlich ergaben die Mosaiksteine ein sinnvolles Bild: Die chinesische Gesellschaft ist eine infantile Gesellschaft.
Anlass dieser Schlussfolgerung war eine „Ausstellung“ von Pappmaschee-Comicfiguren in besagtem Park. Der gesamte Park, angelegt nach traditionellen Prinzipien chinesischen Park-Architektur, und sicherlich auf Feng Shui geprüft, wurde nun von grell-bunten überlebensgroßen Figuren aus Comics, Film und Fernsehen bevölkert. Begrüßt wurden wir von den Teletubbies. Ich bin mir auch sicher, dass sämtliche Pokemon Figuren vorhanden waren. Jedenfalls drängte sich angesichts dieser massiven Population an Spielzeugfiguren die Frage auf, ob die chinesische Gesellschaft eine eher kinderfreundliche oder doch eine infantile sei. Ich bin der Überzeugung, dass sie definitiv letzteres ist (ohne damit ersteres ausschließen zu müssen). Chinesen haben kein Gefühl für Mode oder Stil, bunt muss es sein. Mit viel Klimbim, Strass, Glitzer, Gold und Silber - Hauptsache auffällig. Bonbon-Kleidchen, Zöpfe und pinke Haarspangen, am liebsten wären viele Chinesinnen wohl Prinzessinnen. Dagegen gibt es das andere Extrem: Schlafanzüge und Nachthemden auch außerhalb der eigenen vier Wände zu tragen, aber das ist wohl auch die Realisierung von westlichen Kindheitsträumen. Zu dem kommt eine nicht-erklärbare Vorliebe für Mickey Mouse auch bei Damen, die das dafür gemäße Alter weit überschritten haben. Für die gesundheitsbewussten Herrschaften stehen in den Compounds Sport-Gerätschaften bereits, die nicht nur auf den ersten Blick wie Kinderspielzeug wirken. Alles muss laut sein, lustig und Spektakel. Und ein Tisch in einem Restaurant, nachdem Chinesen dort gegessen haben, macht jedem Chaos nach einem erfolgreichen Kindergeburtstag gute Konkurrenz.
Sich einen gewissen kindlichen Blick zu bewahren im Gegensatz zum überkandidelten und ewig-bedeutungsvollen Gehabe mancher Europäer ist sicherlich erfrischend. Aber die chinesische Kindlichkeit hat auch eine gewisse politische Dimension, in dem sie den Entwicklungsstand dieser Nation beschreibt. China ist eben noch in den Kinderschuhen hinsichtlich der Weltläufigkeit seiner Bürger. Darüber hinaus sind die kindliche Naivität sowie eine einfach durch Spektakel zu fesselnde Aufmerksamkeit auch nützliche Voraussetzungen, eine Diktatur aufrecht zu erhalten und eine apolitische Haltung zu kultivieren.

Dienstag, August 12, 2008

Land der unbegrenzten Möglichkeiten gegen Reich der Mitte

Diesen Beitrag schiebe ich nun schon seit einigen Monaten auf, ich hoffe ich bekomme alle Gedankenfetzen, die mir bisher dazu durch den Kopf gingen zusammen. Der Vergleich zwischen dem Leben in de USA und in China drängt sich auf, seit ich in China bin. Wenn man zum zweiten Mal im Ausland lebt, liegt es nahe, diese beiden Länder und die daraus resultierenden Lebensumstände zu vergleichen. Es ist ein sehr persönlicher Vergleich, der in keinem Fall zu einer Pauschalisierung der Länder führen soll oder darf.
Zunächst einmal gibt es einen wesentlichen Unterschied, der sich durch den gesamten weiteren Vergleich ziehen wird und noch nicht mal direkt von den jeweiligen Ländern verursacht wird. Shanghai ist eine der größten Metropolen der Welt, Alpharetta ist ein Suburb-Dorf. Das bestimmt einen wesentlichen Teil des Lebensgefühls. Subway anstatt Auto. Maglev anstatt Marta. Laufen anstatt fahren. Reis statt Burger. Vielfalt statt Einfalt. Mittendrin statt außen vor.
Unabhängig von den jeweiligen Orten gibt es aber auch viele frappierende Übereinstimmungen oder Ähnlichkeiten, in denen sich diese beiden großen Länder nahe kommen, und sich von Europa/ Deutschland unterscheiden. Materialismus und Patriotismus sind hier wohl die Stichworte. In China wie in USA ist Shopping und Konsumieren eine zentrale Beschäftigung, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Für Amerikaner ist es ein selbstverständlicher, von Kind an gelernter Bestandteil des Lebens. Hier ist das Neue, das protzige Zeigenwollen des Kaufenkönnens. Nach langem Nichtkaufendürfen. Und die Shopping Malls sind noch eine Spur größer, eine Spur eleganter im Hinblick auf das gierig-aber-blind-machende *Potential* des Marktes.
Patriotismus ist der Kitt der diese großen Gesellschaften zusammenhält, wenn man das so plump behaupten darf. Das Zusammenschweißen einer Nation angesichts eines äußeren Feindes oder einer inneren Katastrophe lenkt von politischen oder wirtschaftlichen Problemen ab. Nationalismus, gepaart mit quasi natürlichen Überlegenheitsgefühlen der amtierenden Weltmacht einerseits und dem wörtlich gemeinten Reich der Mitte bestimmen ihr Handeln nach außen wie nach innen. Sie halten die Fliehkräfte der extremen Gegensätze in beiden Ländern im Zaum. In China existieren sie auf engstem Raum ohne einen geographischen Puffer wie dem zwischen Slum in Altanta und reichem Vorort in Alpharetta.
Doch trotz aller Gemeinsamkeiten darf man die großen Unterschieden, vor allem die offensichtlichen nicht vergessen. China ist eine Diktatur, die USA nicht. Als Ausländer merkt man die Unterschiede nur im Detail. Im langsamen Internet, in der ständigen Meldpflicht auf Reisen, in der Tatsache, dass ich für eine Service-Firma und nicht für eine Redaktion arbeite.
Dass die Öffnung Chinas noch nicht lange währt, spürt man durch das Aufsehen, das man als westlicher, und vielleicht auch noch blonder Mensch erregt, wenn man sich außerhalb der großen Städte bewegt.
Auf der persönlichen Seite, im alltäglichen Leben spielen diese Dinge jedoch kaum eine Rolle. In beiden Ländern bin ich schnell in eine deutsche Gemeinschaft reingerutscht, in Amerika gegen meinen Willen, in China war es durchaus erhofft. Diese Gruppen machen das Leben sehr viel einfacher durch gegenseitigen Austausch, gemeinsame Unternehmung und die Sprache. Aber sie halten ein wenig davon ab, am *wahren Leben* des Landes teilzuhaben. Man muss sich anstrengen, die wenigen Gelegenheiten wahrzunehmen, in dem sich wirkliche Einblicke oder interessante Menschen auftun. Allerdings sind diese Gruppen aufgrund der so viel größeren Sprachbarriere in China sehr viel wichtiger.
Was so das tägliche Leben angeht, macht die große Stadt die Verfügbarkeit von westlichen und insbesondere europäischen Lebensmitteln einfacher. Es gibt eine ganz interessante Mischung von Angeboten aus allen Ländern. Das war in USA nicht so einfach, denn da war man ja im Westen und europäische Produkte mussten mit den amerikanischen konkurrieren. Und die Amerikaner haben ja auch Brot und Kaffee und Bier und Käse, nur leider nicht so gut.
Mit den amerikanischen Kollegen bin ich schnell auf eine freundschaftliche Basis gekommen, die auch am Privaten kratzte, aber distanziert blieb. Der engere Kontakt zu Kollegen in China hat länger gedauert, erscheint mir zurzeit aber tiefer. Das kann am ähnlichen Alter liegen oder dass man mehr miteinander lacht. Und es sind weitere Unterschiede gegeben, die nicht notwendigerweise in der Natur der Länder liegen. Bei einem Unternehmen wie Siemens zu arbeiten oder in einer Mini-Redaktion macht den Unterschied eigenverantwortlich ein Projekt mit 50.000 Dollar Budget zu planen oder um jeden neuen Stift betteln zu müssen. Nur mit Jungs rumzuhängen oder nur mit Mädels gibt ein ganz anderes Lebensgefühl, und macht manches einfacher, anderes nicht.
Also, auch wenn sich der Vergleich vielleicht aufdrängen mag, hinkt er an einigen Ecken ganz doll. Aber grundsätzlich muss ich sagen, dass der Aufenthalt in USA die Entscheidung für China und das Leben in China erst möglich gemacht hat. Aber je länger ich in China bin, desto eigenständiger wird diese Erfahrung, desto weniger wichtig wird der Vergleich.

Mittwoch, August 06, 2008

Olympia

Die anrückenden olympischen Spiele machen sich im Stadtbild von Shanghai immer deutlicher bemerkbar. Nachdem in der Metro schon seit Monaten die Bildschirme auf Olympia-Design umgestellt sind und Propaganda-Filme über gutes Verhalten laufen (ohne Effekt, zumindest was die Drängeleien betrifft), wurden jetzt die letzten noch ungenutzten Flächen mit Olympia-Plakaten oder Maskottchen beklebt. Am deutlichsten spürt man Olympia aber in den zunehmenden Sicherheitsbemühungen. Nach Anschlägen im April sitzen bereits seit einigen Monaten Sicherheitsbeamte in den Metro-Stationen und schauen in großes Gepäck. Diese Sicherheitschecks werden kontinuierlich strenger angewendet, im Shanghai Indoor Stadium gibt mittlerweile richtigen Sicherheitsscanner mit Flughafen-Equipment. Seit einigen Tagen sind alle kleinen Läden in den U-Bahn Stationen geschlossen und auch Getränke-Automaten sind außer Betrieb. Auch auf den Straßen sind viel mehr Sicherheitsleute präsent, ganz krass ist es am Shanghai-Center, wo wohl die amerikanische Delegation im Ritz-Carlton untergebracht ist. Ein Kollege von uns wurde in Beijing mit auf die Wache genommen, bis er alle Dokument wie Pass, Hotelbuchung und Flugtickets nachweisen konnte. Geschäftliche Visa zu bekommen ist mittlerweile praktisch unmöglich. So sehr sich auch die Chinesen über die Spiele freuen mögen, für Ausländer wird das Leben hier eher schwieriger. Hoffentlich werden es friedliche Spiele.

Mittwoch, Juli 16, 2008

Beijing Subway gegen Shanghai Metro

Verkehr –insbesondere der öffentliche - in Großstädten ist entscheidend für die Mobilität der Bewohner und das Lebensgefühl, das gilt erst recht für die Megastädte Shanghai und Beijing. Daher sind die beiden Städte in China fleißig dabei, ihre U-Bahnen zu erneuern und auszubauen. Sie tun das mit unterschiedlichen Systemen und unterschiedlichen Geschwindigkeiten – Zeit für einen Vergleich.
Preise: In Beijing kostet jede Fahrt 2 Yuan (20 Cent), egal wohin und wie lange. In Shanghai wird der Preis nach Fahrlänge berechnet und liegt zwischen 3 bis 7 Yuan. Als Abrechnungssystem benutzen beide Städte Plastikkarten, die mit dem entsprechenden Wert zu erwerben oder aufladbar sind. Zeitkarten, wie Monats- oder Jahreskarten sind unbekannt.
Information: Informationen über die Strecken sind in unterschiedlicher Qualität zu haben. Shanghai ist recht übersichtlich, mit großen Karten zum gesamten Netz und zu der jeweiligen Linie auf dem Bahnsteig. In Beijing gibt es diese Karten auch. Nur leider führen sie in Irre, weil auf ihnen das geplante Netz in seiner vollen Schönheit abgebildet ist. Das hilft leider nicht weiter, wenn man wissen will, ob man dort hinkommt oder nicht. Nur auf den Ticketautomaten außerhalb des U-Bahn Steiges sind die aktuell befahrenen Linien genau angezeigt. Leider sind die Durchsagen in den überfüllten alten Linien kaum zu hören. Und auch die Beschilderung zu den Ausgängen ist eher irreführend als hilfreich.
Ausbau: Hier hat Shanghai eindeutig die Nase vorn. Hier sind in den letzten Jahren und Monaten viele Linien neu eröffnet worden. Zu den bestehenden Linien 1,2,3 kamen 4, 6, 8 und 9 hinzu, an Verlängerungen wird noch gebastelt. In Beijing bestehen 1 und 2, Linie 5 ist wohl gerade neu eröffnet, wie auch die 12. Dann ist die 10 im Bau, da stehen auch schon viele Zugänge. Und es gibt noch Linie 8. (Wer ein System oder eine Logik hinter den Nummern entdeckt, bitte Bescheid sagen)
Modernität: Grundsätzlich wirken die Shanghaischen U-Bahn Tunnel moderner, mit mehr Rolltreppen und mehr digitalen Infosystemen. Allerdings machen sie in Beijing direkt im U-Bahn Tunnel so eine Art projizierte digitale Wand-Werbung, die zwar eher zu Augenschmerzen als zu einer Werbewirkung führt, aber wohl Ausdruck der immer stärker kommerzialisierten Gesellschaft ist.
Einen Pluspunkt erreicht Beijing durch entspanntere Passagiere, die nicht so heftig drängeln und boxen wie ihre Genossen aus Shanghai. Eng ist es aber immer noch.

Mittwoch, Juli 09, 2008

Weit im Westen

Ich habe eine neue Lieblings-Serie entdeckt. The West Wing. Das ist die Serie über das Weiße Haus, die in Deutschland als Das Kanzleramt so kläglich, aber verdient scheiterte.
Das amerikanische Original ist witzig. Selbstironisch. Anspruchsvoll. Politisch inkorrekt und total unrealistisch. Der Präsident raucht. Es gibt Dialoge dieser Art: „Haben wir Texas mit diesem Witz verloren?“ –„Nein, Mr President, Texas haben wir verloren als Sie Latein lernten.“ Der Präsident hat einen Nobelpreis. Und Multiple Sklerose.

Freitag, Juli 04, 2008

Das Badezimmer ist die Vorhölle

Bei 35 Grad und mehr laufen überall die Klimaanlagen. Nur nicht im Badezimmer. Hier vermischen sich entweichende Kaltluft und eindringende Heißluft, und erinnern daran, wie es draußen sein muss: Die Hölle.

Dienstag, Juni 24, 2008

Der Tag der vielen Fortbewegungsmittel

In Shenzhen zu schlafen und sich Hongkong anzuschauen stellt einige Anforderung an das logistische Talent. Folgende Aufgabe war zu meistern: Ausgangpunkt ist Shekou, eine kleine Halbinsel von Shenzhen. Ziel ist, einen Termin um 15 Uhr in Hongkong wahrnehmen und um 19.40 muss der Flieger in Shenzhen Airport erreicht werden. Los geht es mit der FÄHRE von Shekou nach Hongkong Central. Von da aus mitd er U-BAHN/MTR zur Kowloon Station, weil von dort der BUS zum Shenzhen Airport gehen soll. Damit mir nicht dasselbe wie in Macau passiert (da war die letzte FÄHRE ausverkauft – Gott sei Dank hab ich einen einigermaßen verzweifelten Blick drauf), wollte ich sicherstellen, dass der BUS dort fährt und mir schon mal ein Ticket kaufen. Dann noch mal mit der MTR zurück, den Termin wahrnehmen, ein TAXI zur BUS-Station. Mit dem BUS zur Grenze. Zu FUSS über die Grenze. Weiter mit dem BUS zum Flughafen. Nach einer guten Stunde Verspätung mit dem FLUGZEUG nach Shanghai (Gewitter von oben ist schon ziemlich cool). Mit dem TAXI nach Hause. Zu FUSS die 82 Stufen zu meinem Apartment.

Freitag, Juni 20, 2008

Stupid Lao Wai (dummer Ausländer)

Vor etwa sieben Stunden war ich der Überzeugung, dieser Tag könnte ein aussichtsreicher Kandidat auf den neuen „schlimmsten Tag in meinem Leben“ werden. Ist es dann doch nicht geworden, aber ein paar „schlimmste Stunden“ waren schon dabei. Von vorne. Ich muss ausreisen um mein Visum zu erneuern. Damit das günstiger ist, fliege ich nach Shenzhen und fahre dann über die Grenze nach Hongkong. Damit es die Firma bezahlt, sollte ich es mit einem Termin verbinden. Daher musste ich meine bereits anvisierten Flüge neu timen. Freitag um 8 rausfliegen, damit ich um 14 Uhr in Hongkong sein kann. Also stehe ich heute morgen um kurz vor fünf auf, habe auf das Spiel verzichtet, weil 5 Stunden Schlaf doch mehr als 3 sind. Auf zur U-Bahn, die direkt bis zum Maglev fährt. Müsste alles in einer Stunde hinhauen. Aber da hakt’s schon: Die U-Bahn fährt noch nicht. Zumindest nicht die Richtung, die ich will. Nach gut sieben Minuten warten muss es dann doch das Taxi sein. Mit Zeichen gebe ich dem Taxifahrer zu verstehen wo ich hin will. Und wir kommen gut durch, ich entspanne und trockne, denn draußen sind gut 25 Grad und eklig feucht, morgens um 6 wohlgemerkt. In Pudong am Flughafen verlieren wir ein bisschen Zeit, weil wir uns nicht verständigen können zu welchem Terminal ich muss. Aber der Taxifahrer fragt. Alles geklappt, ich bin da. Stehe am Eincheckschalter: „Der Flug geht von Hongqiao“. Mir ruscht das Herz in die Hose. Hongqiao ist der westlich gelegene Flughafen in Shanghai. Bei meiner Umbucherei hab ich übersehen, dass ich den Flughafen gewechselt habe. Ich bin am falschen Flughafen. Ich werde den Flieger nicht kriegen. Ich werde den Termin verpassen. Mein Chef wird sich monatelang über mich lustig machen. Ich hasse Shanghai. Ich bin so dummmmmmm. Stupid Lao Wei.
Dann wurde es kurz noch schlimmer als ich mit dem Shuttlebus nach Hongqiao fuhr, inklusive chinesischem Gedudel in der Endlosschleife, einer sehr vollen Blase, schlechten Straßen und morgendlichem Berufsverkehr mit entsprechendem Stau.
Und dann wurde es besser. Das Umbuchen war in weniger als zehn Minuten erledigt, und sicherlich einfacher und billiger als einen Zug mit Zugbindung bei der deutschen Bahn zu ändern. Dann habe ich entdeckt, dass es bei McDonalds Pancakes gibt und der Kaffee wirklich gut ist. Und die schweißtreibenden fünf Meter, die ich zwischen Flughafengebäude und McDonalds zurückgelegt habe, überzeugten mich, dass noch drei Stunden warten in klimatisierten Räumen nicht die schlechteste aller Möglichkeiten ist.
In Shenzhen scheint die Sonne. Das hatten wir in Shanghai seit Wochen nicht. Hier gibt es Hügel und sie sind grün. Es ist ruhiger. Es gibt Palmen. Es fühlt sich nach Urlaub an.

Freitag, Juni 06, 2008

Chinesisches Frühstück

Entgegen der landläufigen Meinung (zumindest nach meinem Eindruck) frühstückt der Chinese keinen Reis. Es gibt eine vielfältige Auswahl an Gerichten, die zu dieser Tageszeit und nur zu dieser Tagestzeit angeboten werden. Meist werden Sie im Gehen verzehrt, daher sind sie praktischerweise in kleine Plastiktütchen verpackt.

Das sind Baozi, wohl am bekanntesten hier. Sie sind gefüllt, meist mit Hackfleisch. Der Teig darum kommt böhmischen Knödeln sehr nahe.

Jiaozi - ebenfalls gefüllte Teigtaschen, aber eher aus nudelartigem Teig. Die Füllungen variieren mehr, sehr lecker ist Spinat. Sie werden gekocht oder gebraten.

Frittierte Teilchen oder so was. Hatte ich süß erwartet, sind aber herb und sehr fettig.

Fladenbrot - wird nach Gewicht verkauft, und gibt es mit und ohne Schnittlauch. Auch sehr fettig. Außerdem gibt es noch Getränke, weiß meistens. Könnte Milchtee sein, ein Pulver, das man zu einer schleimartigen Konsitenz anrührt und dann sehr süß schmeckt.

Brotartige, frittierte Stangen - fettig!!! Aber lecker.

Hier wird so eine Art Pfannkuchen oder Crepe gebacken, oft werden sie mit dunklen Soßen oder eben Ei bestrichen.

Joghurt und Milch gibt es auch zu kaufen.

Ein Hoch auf billige Taxis

Billige Taxis sind toll. Vor allem, wenn man die Amibition hat, vom Bund nach Hause zu laufen. Und dann um eine interessante Ecke abbiegt und als man wieder weiss, wo man ist, auch weiss, wie lange man noch nach Hause braucht. Und sich dann in ein Taxi setzt. Für 14 Yuan. Und sich vor die Tür fahren lässt. Was für ein Luxus.
PS: Test test...1...2...3 (Ich bin wohl nicht mehr geblockt hier... )

Montag, Mai 19, 2008

ShangEyes IV

Rechnungen muss man bezahlen, auch wenn sie auf Chinesisch sind und man keinen blassen Schimmer hat, wofür eigentlich. Wenn man das nicht tut, klingelt es eines Abends und ein glatzköpfiger Chinese behauptet, er bekäme auf der Stelle 1000 Yuan (100 Euro) von mir. Und er kommt jeden Abend wieder. Und lacht sich einen Ast, wenn man ihn mit großen Augen und einem "ting bu dong“ (ich verstehe nicht) anschaut.

Um den Opfern des Erdbebens zu gedenken gibt es ab heute an drei Tagen drei Gedenkminuten. Schweigeminuten würde man wohl in Deutschland sagen. Aber das trifft es hier nicht annähernd. Damit auch keiner das Gedenken vergisst, ertönt um Punkt 14.28 Uhr eine ohrenbetäubende Sirene über der ganzen Stadt. Und die Chinesen in unserem Büro stehen auf der Terrasse und gedenken.

Seit Sonntag komme ich, dank meiner neuen Mitbewohnerin, in den Genuss einer weiteren chinesischen Annehmlichkeit: billigen Service-Kräften - also einer Putzfrau. Die "Ai", wie sie ihr genannt wird, kommt einmal die Woche und wischt nach chinesischer Art, einfach mal drüber. Und kostet 20 Yuan (2 Euro) die Stunde und ist damit verhältnismäßig teuer.

Donnerstag, Mai 15, 2008

ShangEyes III

Der natürliche Feind jeder Chinesin die Sonne. Das Schönheitsideal ist Blässe und es wird alles Erdenkliche getan, um diese zu erhalten oder erst herzustellen. Mit Sonnenschirmchen, sobald sich auch nur ein Sonnenstrahl durch den smogig-dunstigen Himmel dringt, mit Sunblockern und Bleichcremes. Daher ist eine der ersten Sachen, von denen mir abgeraten wurde: chinesische Cremes und Make-up kaufen.

In Sachen westlicher Musik sind die Chinesen schon erstaunlich schmerzbefreit. Last Christmas im April im Radio scheint da noch das kleinere Übel zu sein. In Suzhou fahren die Touristenshuttels auf der Fußgängerzone den ganzen Tag mit Jingle-Bells auf und ab. Und die Müllabfuhr hat Happy Birthday als Erkennungsmelodie.

Wenn man hier Männer mit sehr ausgefallenen, meist riesigen Handtaschen rumlaufen sieht, ist das nicht etwa Ausdruck eines besonders metrosexuellen Charakters dieser Stadt. Im Gegenteil, in einem etwas merkwürdigen Verständnis von Zuvorkommenheit ist es gentlemen-like, den Damen ihre ach so schweren und sperrigen Taschen zu tragen.

Haustüren scheinen nicht Teil der Häuser, sondern Teil der individuellen Einrichtung der Wohnungen zu sein. Jede Wohnung hat eine individuelle Tür, mit eigenen Schlössern und Guckvorrichtungen, je nach Sicherheitsbedürfnis.

Donnerstag, Mai 08, 2008

test

Nachtrag 15.Mai: Auch wenn dieser Blog zur Zeit in China gebloggt (ein paar Worte des letzten Eintrags waren wohl Stichworte) ist, kann ich immer noch posten. Also test bestanden. Und es geht auch weiter hier.

Chinesisch-deutsche Folter

Wenn ich noch ein verballhorntes "Für Elise" oder eine quietschig-digitale Version der "Kleinen Nachtmusik" in einer Warteschleife hören muss, geh ich sterben.

Samstag, Mai 03, 2008

Geblockte Blogs

Generell bewegen wir Westler uns in China relativ frei und unbeobachtet. Glauben wir zumindest.
Vor allem im Internet merkt man schnell, dass da was nicht stimmt. Zum Beispiel wenn die internetbasierte Datenbank, mit der wir arbeiten plötzlich so langsam ist, dass wir einen ganzen Nachmittag nicht richtig darauf zugreifen können. Um Punkt fünf Uhr klappt es wieder, da geht der Geheimdienst dann wohl in den Feierabend.
Manchmal werden deutsche Online-Medien nicht oder nur unvollständig geladen, Bilder überhaupt eher selten. Mittlerweile ist die Wikipedia zwar zugänglich, aber manchmal ist der Artikel über die Volksrepublik gerade nicht verfügbar. Bei meinem Feed-Reader und meinem eigenen Blog habe ich mich immer gewundert, dass das so problemlos geht. Bis es mir letzte Woche wie Schuppen von den Augen gefallen ist: Es funktionierte überhaupt nicht alles. Plötzlich hatte ich über 80 ungelesene Feeds, wovon eben einige Blogs die Feeds der letzten drei oder vier Wochen enthielten. Die waren offensichtlich geblockt worden hier, weil sie das Wort Ty-Bett enthielten. Zwar war ich bei einigen verblüfft, dass sie so lange nichts gepostet haben, hatte aber nicht weiter darüber nachgedacht.
Jetzt versuche ich noch herauszufinden, ob die Wächter in unserem Compound vielleicht so was wie Stasi-Mitarbeiter sind.

Freitag, Mai 02, 2008

Chinesische Freizeitzeitbeschäftigung

Schönes Wetter, Tag der Arbeit. Also die Gelegenheit in Parks rumzuhängen und Chinesen bei ihren vielfältigen Freizeitbeschäftigungen zu beobachten.

Singen im Jin'an Park

Laufenlernen

Schlafen auf der Straße

Paddeln auf dem Teich im Fuxing Park

Sich im Tai Chi (oder sowas) üben im Blumenbeet vom Fuxing Park

In riesigen Gummiteilen übers Wasser rollen

Sonntag, April 27, 2008

Sonntagmorgen, 10 Uhr...

... ich stehe senkrecht im Bett, ein gigantischer Krach hat mich geweckt. Ein Erschießungskommando? Neeeein. Feuerwerk am helllichten Tage? Neeein, so verrückt sind selbst die Chinesen nicht, aber es kommt dem ganz nahe. Beim Blick aus dem Fenster sehe ich zunächst eine riesige weiße Limousine vor unserem Haus stehen. Ein Stück daneben werden auf gut zwei Quadratmetern Chinaböller abgebrannt. Um 10 Uhr. Und dann steigt das Hochzeitspaar aus der Limmo.

Samstag, April 26, 2008

Chinesische Streichelheiten

Massagen in China sind unglaublich billig. Alle schwärmen. Aber es gibt auch die Warnungen vor Läden mit „Happy End“. Also will der richtige Laden gut gewählt sein, um Erfahrungen wie letzten Freitag zu vermeiden. Gestern wurden wir dann von einer Bekannten mitgenommen. Der Laden liegt in einer ganz netten Ecke Shanghais in der Huaihai Lu, einer weiteren Einkaufsstraße in Shanghai. Wir wurden mit Tee begrüßt und durften eine Massage auswählen: Die japanische ist die, die wir am ehesten unter einer entspannenden Massage verstehen, bei chinesischen wird man so richtig durchgewalkt, so dass man am Ende froh sein kann, keine blaue Flecken zu haben. Außerdem gibt es noch Öl- und Fußmassagen. Wir entschieden uns mehrheitlich für die Japanische, aber eine traute sich und wählte die Chinesische. Dann wurden wir in die Räume geführt, alles abgedunkelt, es roch nach Räucherstäbchen und leise Musik spielte. Auf der Liege lag eine Art Pyjama bereit, den man sich anzieht. Man legt sich zunächst auf den Bauch. Die Massage beginnt mit starkem Druck auf die Wirbelsäule, bei dem ich froh war, dass das letzte Essen zwei Stunden zurück lag. Es knackte ordentlich. Dann massierte die Dame punktuell schmerzhafte Stellen. Meine eigenen Schmerzen ließen nur wenig Spielraum für Überlegungen, wie es der Kandidatin mit der chinesischen Massage wohl ergeht. Die Knet- und Walkgeräusche von der Nebenliege waren eher besorgniserregend. Wirklich entspannend war die Kopfmassage und die Zeit verging viel zu schnell. Am Ende zog man sich um, bekam noch einen Tee und bezahlte 100 Kuai = 10 Euro für eine Stunde. Das war definitiv das bessere Freitagabenderlebnis.

Dienstag, April 22, 2008

Bierchen in netter Gesellschaft

Neulich Freitag Abend. Lust auf ein Bierchen ohne großen Aufwand. Also sind wir nichts ahnend in die Kneipe, die zum Wohnblock meiner Kollegin gehört. Es war sehr früh und der Laden noch leer. Wir wurden dennoch fröhlich begrüßt und bestellten ein Bier an der Theke. Dann widmeten wir uns in aller Ruhe dem Feierabendbier und dem ausgiebigen Rückblick auf die Woche. Die Kneipe machte einen netten Eindruck, dunkle Wandvertäfelung, ein Billard-Tisch, nur das Insyc-Poster störte die gemütliche Atmosphäre, die uns ein bisschen nach Europa zurückversetzte. Nach einer Weile vertieften Gesprächs stellten wir fest, dass es ein bisschen voller geworden war. Zwei Mädchen spielten Billard und ein drittes saß an der Theke und beschäftigte sich demonstrativ gelangweilt mich sich selbst. Machte Fotos von sich, ihren Händen und schürzte die Lippen. Und während wir dies so diskutierten, setzten sich weitere Mädchen dazu und wir bemerkten zum ersten Mal, dass sie gar nicht von vorne hinein kamen. Aus dem Augenwinkel konnte man beobachten, wie sie sich schick nacheinander im Bad anhübschten. Und so langsam dämmerte uns, dass wir wohl in einem Bordell gelandet waren, naiv wie wir waren. Auch wenn die Mädchen für westliche Verhältniss sehr adrett und nur wenig übertrieben herausgeputzt waren. In dem Moment ging dann auch die Vordertür auf und der erste Trupp Geschäftsleute lief ein. So schnell konnten wir gar nicht austrinken und zahlen, wie es uns plötzlich aus dem Laden zog. Beim abschließenden Blick auf die zuvor unbeachtete Leuchtschrift „hot lips“ konnten wir uns über das Ausmaß unserer Arglosigkeit nur noch Schütteln vor Lachen.

Donnerstag, April 17, 2008

ShangEyes II

Die ersten Tage bin ich abends im Dunklen durch den Hausflur gegangen, da kein Lichtschalter zu entdecken war, und offensichtlich auch kein Bewegungsmelder. Ich fragte, und bekam zur Antwort: Krach. Das Licht geht an, wenn man laut ist. Also, Krachmelder.

Das chinesische Äquivalent zur Storch-Geschichte, um Kindern zu erklären, wo sie eigentlich herkommen ohne sie ernsthaft aufklären zu wollen, ist hier die I-picked-you-up-in-trash-Geschichte. Da mag ich den Storch irgendwie lieber.

Spülen führt zu Größenwahn. Endlich bin ich mal nicht mehr überall die Kleinste und muss mich sogar beim Spülen runterbeugen.

Nachtrag zum Rotzen: Auch wenn es wirklich eklig ist, diese zwei Begegnungen dürfen hier nicht fehlen. Neulich in der U-Bahn neben mir, ein sichtlich ärmer gekleideter Mann zieht lautstark einen hoch. Und bevor ich es fassen kann, rotzt er auf den Boden neben mir und verreibt das ganze auch noch genüsslich mit seinem Schuh. Und ich musste da durch. Brrrr.
Dann, ein paar Tage später, im Supermarkt an der Kasse, genau das gleiche Geräusch. Und dachte nur, was macht die jetzt damit. Und die Antwort kam auch sogleich: Sie rotzte in eine Einkaufstüte hinein.

Mittwoch, April 16, 2008

BILD in China

In der heutigen Shanghai Daily wird die Berichterstattung der deutschen BILD-Zeitung als Beweis dafür genommen, dass es mit der Objektivität der westlichen Presse nicht weit her ist. Unterfüttert mit weiteren Beispielen, bei denen es vor allem um falsch oder irreführend illustrierte Berichte über das Geschehen in Tibet ging, ist demnach eine Verschwörung gegen China im Gange. Die Medien seien keine Watchdogs mehr, sondern „an attack dog for the politicans“. (Nachtrag 17.04.: zum Artikel)
Ein Grund mehr, die BILD zu verurteilen, wenn sie dazu führt, als Generalisierung westlicher Medien wahrgenommen zu werden, und damit Futter für chinesische Propaganda-Maschinerie liefert. Was der chinesische Kommentator allerdings wohlweislich übersieht, ist die zivilgesellschaftliche und auch berufsständische Selbstkontrolle solcher Medien. Und das es eben andere Medien geben darf, die diese falsche, nachlässige oder effektheischende Berichterstattung richtig stellen.

Samstag, April 12, 2008

Clash of Cultures

Ich hatte schon darüber gelesen, wie in China westliches Essen adaptiert wird. Es muss in etwa so westlich sein, wie wir den „Chinesen um die Ecke“ für wirklich chinesisch halten. So hatte ich jetzt einen Mittag, als es mal wieder nicht genießbaren Fisch in der „Kantine“ bei uns gab, Mittagessen im „UBC-Cafe“. Spaghetti mit Chicken Curry. Ich dachte irgendwie Nudeln mit Hähnchenfleisch und einer indischen oder thai-scharfen Soße. Spaghetti waren es. Das Chicken kam in Form von klein gehackten Hühnerbeinen, also mit Knochen. Und die Soße war unbeschreiblich. Unbeschreiblich eklig, zwar Curry-gelb, aber von einer sehr schleimigen Konsistenz. Und nicht nur die Adaption von westlichem Essen ist gewöhnungsbedürftig, auch bei Musik führt es zu leicht absurden Situationen. Zum Beispiel, dass man Mitte April in einem Taxi sitzt und „Last Christmas“ im Radio läuft. Ganz ironiefrei.

Dienstag, April 08, 2008

Mein chinesischer Name


Nach chinesischer Art der Nachname zuerst und genau das heisst Xuan auch. Der Vorname heißt wohl so was wie aufgehende Sonne.

Montag, April 07, 2008

ShangEyes - kurz berichtet I

Olivenöl brennt, wenn man es in einen Topf schüttet, der schon eine Weile auf dem Gasherd stand (nur beinahe die Küche abgefackelt....)

Chinesen rotzen, das Vorurteil stimmt. Wenn dir ein alter Mann entgegenkommt und das gurgelnde Geräusch des Hochziehens ertönt, ist das schon eklig. Wenn das aber eine junge, gutaussehende Chinesin tut, ist es mehr als das.

Grüne Ampel heisst nicht gleich grün, zumindest nicht für Fussgänger. Weder die Linksabbieger noch die Rechtsabbieger nehmen Rücksicht darauf, fahren dich fast an und hupen permanent. Fahrradfahrer und Roller beachten keine Ampeln und auch der Gehweg wird dann und wann (von Rollern) benutzt. Und ebenso freigehupt.

Anschnallen ist wohl verpönt. Zwar sind die Taxis alle damit ausgestattet (deutsche Autos halt), aber die Sitze sind immer schick in weisse Überzüge verpackt, so dass anschnallen unmöglich ist.

Die Mischung an verschiedenen westlichen Einflüssen hier ist sehr interessant, vor allem wenn man zuvor in USA war, fallen einem einige Dinge ins Auge. Das grundlegende Design zum Beispiel der Wohnung ist amerikanisch. Man steht sofort im Wohnzimmer, die Türen das Klo und die Spüle sind amerikanisch, ebenso das gechlorte Wasser. Die Details sind deutsch: die Wasserhähne von Grohe, die Waschmaschine von Siemens.

grrrrr - willkür

Ich glaube, hier handelt nicht nur das politische System willkürlich, auch die Telefongesellschaften scheinen eher willkürlich zu entscheiden, ob eine Nummer existiert oder nicht. So oft kann man sich gar nicht verwählen!

Sight-Seeing, Essen und Märkte


Die erste Woche wird nicht lange das letzte „erste“ bleiben, es gibt hier so viel zu entdecken. Gestern also das „erste“ richtige Sight-Seeing, wenn auch mit eher schlechtem Wetter. Da erscheint selbst die so bunte, blinkende und werbeverseuchte Nanjing-Einkaufsstrasse trist und grau. Und nach dem 100sten aufdringlich von der Seite gequatschten „watch bags shoes“ „lookilooki, cheapicheapi“, steht der erste Chinesen-Koller kurz bevor. Das kann auch der Blick vom Bund auf das regenverhangene Pudong nicht retten (hatte der Oriental nicht noch eine zweite Kugel weiter oben...?). Die Altstadt Shanghais war beleuchtet sehr nett anzusehen, und vermittelt eine Idee, wie China mal ausgesehen haben könnte. Nur McDonalds und sonstige Essens-und Kaffeeverkettungen sowie die ewig nervenden Verkäufer stören hier. Dafür gibt es mal wieder erfreuliches von der Essen-Front zu vermelden. Ich war mit einer deutschen Kollegin unterwegs, die in Wuhan studiert hat und chinesisch spricht. Also hab ich mal auf die ersten kontrollierten Experimente eingelassen: „fish-flavored pork“ – hat rein gar nichts mit Fisch zu tun, das sind Streifen von zartem Fleisch mit Bambus-Streifen in einer leckeren dunklen Soße. De Tofu in dunkler Soße hatte eher glibbrige Konsistenz und war auch nicht so lecker, dafür das Rührei mit großen Stücken von etwas Schnittlauch-Artigem um so mehr. Abends gab es erst einen kleinen Snack von der Straßen-Garküche: gegrilltes Hühnchen und Pilze, dann frische Nudeln mit Gemüse und Schuhsohlen-Fleisch aus einer Uiguren-Küche; bis auf letzte Zutat wirklich lecker.
Interessant scheinen auch die einzelnen „Märkte“ zu sein. Am Freitag war ich mit auf dem Stoffmarkt, hier lässt man sich neue Kleider maßschneidern, nach Modellen, die überall rumhängen oder eigenen Vorschlägen (auf eigene Gefahr). Dann gibt es wohl so genannte „Fake“-Märkte, da bekommt man dann die „cheapi cheapi bags“ auf dem Servierteller und freiwillig. Ab und zu wird man gefragt, ob man schon mal auf einem „richtigen chinesischen“ Markt gewesen sei. Auf die fragend hochgezogenen Brauen kommt die Konkretisierung: „der mit den lebendigen Tieren und so“. Ähhh nein. Ich glaub auch nicht, dass ich das will.

Samstag, April 05, 2008

Die erste Woche 28.3-4.4.

Damit auch wirklich alle „ersten Male“ vertreten sind, nun also das Fazit der ersten Woche. Es war anstrengend und aufregend. Aus dem anfänglichen schwammartigen Gefühl alles aufsaugen und sehen zu wollen, kam in der Mitte der Woche eine erste Überforderung und ein wenig Überdruss auf, wohl auch bedingt durch eine Erkältung und chronischen Schlafmangel. Von der Stadt habe ich immer noch nicht viel gesehen, selbst der Bund und Blick auf die Skyline von Pudong fehlen mir noch. Irgendwie warte ich auf schönes Wetter, um schöne Fotos machen zu können, ist aber auf jeden Fall für dieses Wochenende eingeplant. Auch die nähere Umgebung verdient dringend eine Würdigung mit dem Fotoapparat.
So langsam füllt sich unser Büro, im Laufe der Woche sind noch zwei weitere Mitarbeiter eingetroffen: ein Chinese, der deutsch spricht und eine Deutsche, die chinesisch spricht. So Babel continues... Ich merke, dass es meinen Englisch-Kenntnissen ganz gut tut, zum Teil denke ich auch in Englisch. Inhaltlich ist mein Arbeitsgebiet nun auch so weit festgelegt. Zum einen schreibe ich für das Magazin und habe auch schon vier Aufträge für die nächste Ausgabe. Zum anderen werde ich Marketing machen. Was konkret heißt: Abos verkaufen. Wir haben eine Liste von Free-Subscribern, die nun von mir angerufen werden, ob sie nicht für ihr Abo bezahlen wollen. Das wird harte Arbeit.
Das Haupt-Thema, dass man mit den Deutschen hat: Wie kommt man an westliche Nahrungsmittel. Shanghai ist in dieser Hinsicht eine Insel. Hier wohnen mittlerweile so viele Ausländer, dass es auch ganz gut mit Angeboten für diese versorgt ist. (Die Auslandscommunity heißt hier übrigens Expats, ein Begriff, den ich in USA nie gehört habe.) Aber auch hier existieren die zwei großen Probleme, die Deutsche (oder nur ich?) im Ausland haben: Brot und Kaffee. In Sachen Brot dominieren hier wieder die Amis und auch die Franzosen, es gibt Kätschel-Brot und Baguette. Vollkorn – leider Fehlanzeige. Zudem sind die Preise auch entsprechend hoch. Kaffee gibt es fast ausschließlich in löslicher Form, vorwiegend als gesüßten Cappuccino. Und ist noch teurer. (Es lebe Starbucks!) Ein weiteres Problem: was drauf aufs Brot. Scheibletten-Käse? Bähh. Richtiger Käse? Teuer! Gestern Philadelphia gefunden, nur leider auch wieder mehr Cream-Cheese als Frischkäse. Nächste Woche organisieren wir einen Betriebsausflug zum deutschen Metro-Laden.
Nebenbei probiere ich das Essen in unserer „Kantine“ weiter aus, mit gemischten Ergebnissen. Einmal gab es Fisch, der zum Großteil aus Gräten bestand, nicht essbar, auch wenn er lecker gewürzt war. In der Suppe dazu schwamm was Glibberiges. Und so was wie ein Schnitzel mit Stäbchen zu essen, ist auch eine spezielle Erfahrung. Meistens sieht es ungewohnt oder auch eklig aus, schmeckt aber dann ganz gut. Der Reis ist immer lecker.

Donnerstag, April 03, 2008

Erster Arbeitstag 31.3.


Ziemlich erschöpft ist wohl eher untertrieben. Der Jetlag haust noch in meinem Körper. Das Frühzubettgehen angesichts des ersten Arbeitstages war gut gemeint, aber am Ende habe ich um 3h das letzte Mal auf die Uhr geguckt, was netto weniger als vier Stunden Schlaf bedeutete. Auch der Rest meines biologischen Systems steht noch auf GMT+1. Frühstück um 7 also um 1 Uhr nachts (Sommerzeit)? Mittag um kurz vor 6? Nee, so ganz passt das noch nicht.
Vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn steht zunächst das Abenteuer Arbeitsweg. Mit der U-Bahn. Und ungefähr 100 Millionen anderen Chinesen. Beim ersten Zug war ich noch zaghaft und schreckte zurück, als die duzend Chinesen pro Tür auf dem Bahnsteig den letzten Quadratzentimeter gewaltsam erkämpften. Im nächsten war ich dann selbst ein erfolgreicher Kämpfer. Erschreckend war allerdings das Bild beim Umsteigen, als auf dem Gegensteig nicht nur ein Duzend pro Tür, sondern zwei Drittel des kompletten Bahnsteigs voll mit drängelnden Menschen standen.
Im Büro wurde ich mit Informationen zugedröhnt, Technik in Gang gebracht, die ersten Aufgaben zugeteilt und am Ende das komplette Adressbuch gelöscht (was auf wunderbare Weise zu Hause wieder auftauchte...). 1800 Inlays ins neue Magazin gelegt, eingetütet und zugeklebt. Zu wenig (s.o.)., dafür endlich chinesisch gegessen. Eine rote Suppe mit Kartoffeln, Salat mit Öl, frittiertes Hühnchen und Reis. War ok, aber auch nicht überragend. Achja, vom Klo kann man auf den Jinmao gucken. Noch besser allerdings von der Terrasse. Nette Kollegen, nette Atmosphäre. Vor allem durch die schon fast babylonische Sprachverwirrung. Deutsch, englisch und chinesisch sind schon verwirrend, dann kommen noch die Dialekte dazu: österreichisch und kantonesisch und wohl auch shanghaiisch. Also ein weiterer Anreiz, dringend ein bisschen chinesisch/mandarin zu lernen. Und kalt ist es. Noch. In zwei Monaten werde ich das bestimmt schon widerrufen und mich freuen, im Luftzug zu sitzen. Also, ergibt das ein insgesamt optimistisches Fazit.

Mittwoch, April 02, 2008

Das erste Wochenende 29.+30.3.

Es ist absurd. Nun bin mehr als zwei Tage in China, und habe noch nicht einmal chinesisch gegessen. Gestern Abend war ich mit meinem Chef und seiner Freundin/ Zukünftigen indisch essen. Was sehr lecker war. Mein Chef ist noch sehr jung. Er ist nun seit 2 Jahren in Shanghai und hat die Zeitschrift von Anfang an mit aufgebaut. Er wirkt locker, aber fordernd, selbst sehr engagiert und arbeitswütig. Habe ein gutes Gefühl, was den Job angeht, vor allem was meine größte Befürchtung betrifft: Langweile werde ich sicher nicht haben. Sehr angenehmer Abend. Bin mit den zotigsten Geschichten über China, Shanghai und die Chinesen sowie einigen sehr hilfreichen Tipps versorgt worden.
Zum Beispiel: Außerhalb der großen Stadt gibt es noch Rinnsale, die als Klo dienen. Ohne Kabinen und so, versteht sich. Und da kommen die Chinesen schon mal ein bisschen näher, wenn man sich als Frau hinhockt, um zu prüfen, wie es denn da unten bei den Ausländern aussieht. Oder: Frauen, die rauchen sind automatisch Nutten. Es dürfen nur Männer und Nutten rauchen. Wenn also eine Frau raucht, muss sie eine Nutte sein.
Heute war ich mit meiner Mitbewohnerin in einem kleinen neu gebauten Touristen-Viertel essen, in das es vor allem Ausländer zieht. Wir haben uns einen Burito geteilt. Shopping auf der Huaihai Road am Sonntag. Dort schrumpfen Abstände der bereits genannten Gegensätze von 50m auf praktisch null. Schicke Läden, Adidas, Armani Exchange und ähnliche wechseln sich ab mit Blicken durch eiserne Tore auf die dahinter liegenden Bruchbuden.

Dienstag, April 01, 2008

Flug und erste Eindrücke

Aus dem Zug raus, wurde es dann ernst. Vor allem, was das Gepäck betraf, denn 20 Kilo Trekking Rucksack plus 8 kg Rucksack sollten befördert werden. Von mir. Das ist die Hälfte meines eigenen Köpergewichts. Aber Gott sei Dank stellte sich heraus, dass man tatsächlich direkt im Bahnhof einchecken konnte, denn im Verlauf stellten sich selbst die 8 kg als ziemlich schwer heraus. Also nur noch Gate finden, Passkontrolle und Sicherheitscheck, dann konnte es losgehen. Oder auch nicht. Der Copilot war krank geworden und wir mussten auf Nachschub aus London warten... und warten...und dann gings los. Nach dem tristen Frankfurter Flughafen (noch nicht mal ein Starbucks in Terminal 2), war das Flugzeug dann um so überzeugender. Wow. Emirates ist echt eine klasse Fluglinie. Schickes Interieur, in apricot und brombeer gehalten. Einen kleinen Bildschirm an jedem Sitz. Unglaublich viele Stewardessen. Und vor allem unglaublich leckeres Essen. Es gab einen Schrimpcocktail und Salat mit Ingwer-Dressing als Vorspeisen. Mein Hauptgang bestand aus zartem rosa gebratenem Lamm mit einer Tomatenkruste an Kartoffelpüree, der trotz der neongelben Farbe erstaunlich würzig war, und einem Gemüse aus grünen Bohnen und roten Paprika. Hmmm lecker. Nur der Nachtisch war ein wenig enttäuschend, wohl englisch: eine weisse Schokoladenmousse an Kirschen, leider mit sehr aufdringlichem Minz-Aroma. Nebenbei hätte man sich so richtig abschießen können, denn alle Getränke außer Champagner waren umsonst. Dann hab ich mir „No country for old man“ reingezogen (was genau ist der Sinn des Films??) und eine Runde Tetris gespielt.
Dann war ich auch schon in Dubai. Dank der Verzögerung beim Abflug und wohl einer Ehrenrunde bei der Landung war mein Aufenthalt dort von 2 auf 4 Stunden geschrumpft. Gegenüber Frankfurt ein wahres Shopping Paradies, aber nach einer Stunde ist man dann auch durch (und zur Erinnerung: 8kg Rucksack!). Nach einer ausgiebigen Tour durch einen Duty Free und einen noch ausgiebigeren Aufenthalt an dessen Kasse (wie transportieren die Leute bloss das ganze Zeug, haben die sonst kein Gepäck?), einigen Souvenierfotos, hieß es dann mal wieder warten.
Der Flug nach Shanghai war komplett ausgebucht und mein Fensterplatz erwies sich als Sardinendose mit Ausguck auf Wolken. Der Pakistaner neben mir versuchte sich mit mir auf Englisch, bzw. was er dafür hielt, zu unterhalten. Trotz meines ständig fragenden Gesichtsausdrucks und am Ende purer Ignoranz, gab er nicht auf. Zudem stank er nach Schweiss und Füßen und machte sich ganz schön breit. Irgendwie hab ich dann doch ein paar Stunden geschlafen, mir „Elisabeth“ reingezogen und ein eher mäßiges Omelette mit Pilzen gegessen und sehr amerikanischen Kaffee getrunken. Der Landeanflug auf Shanghai war eher unspektakulär, um nicht zu sagen beängstigend. Nach ein bisschen Wasser mit vielen Schiffen kommt Feld. Und noch mehr Feld und dann ist man aufgesetzt. Auf dem Feld. Nix Stadt. Kein Vorteil, einen Fensterplatz gehabt zu haben, hmpf.
Das Auschecken war problemlos und Johnny, der mich abholen sollte, hab ich auch schnell gefunden. Und nun wurde es doch noch spektakulär: Maglev fahren. 430 km/h. Irgendwie ironisch, denn meine letzte deutsche Schlagzeile handelte vom gecancelten Transrapid in München. Mit dem Taxi ging es weiter Richtung Innenstadt, in der die Rushhour erbarmungslos wütete. Johnny unterhielt sich abwechselt auf englisch mit mir und chinesisch mit dem Fahrer. Nach gut 50 Minuten waren wir dann am Ziel: Xinzha Road. Wohnung im 6.Stock, natürlich ohne Fahrstuhl. Ohne Johnny hätte ich die 20kg wohl nicht hochgekriegt, zumindest nicht am Stück. Der erste Eindruck der Wohnung: was für Schlampen. Der zweite Blick vertiefte diesen Eindruck. Es stinkt nach Müll, der Schimmel springt mich aus dem Kühlschrank und dem total verstopften Abfluss an, überall liegt Zeug rum und das Licht im Bad geht nur über die Sicherungen, inder Küche gar nicht. Mein Zimmer ist nur ein bisschen versifft. Das Haus ist hellhörig (Chinesen hören offensichtlich gerne Akkordeon Musik) und die Straße ganz schön laut (Chinesen hupen offensichtlich gerne). Sonst ist die Wohnung eigentlich ganz nett, großer Wohnraum, anständige Zimmer und gute Lage.
Nach einer kurzen Besichtigung der Wohnung, will mir Johnny noch schnell den Weg zur U-Bahn zeigen, den er selbst nicht kennt. Nach einigen Umwegen und drei Mal nachfragen haben wir es gefunden. Der erste Eindruck von der Gegend ist gemischt. Viele große Straßen, kleine und große Läden. Geht man um eine Ecke, kann man Zeitsprünge bis zu 30 Jahren machen. Es gibt moderne Fitnessstudios und Banken, und 50m weiter schäbige Kleinst-Läden und Gebäude, die eher Verschlägen als Häusern ähneln. Hochhäuser umragen ältere Viertel mit Häuser-Hütten, die gerade mal ein weiteres Stockwerk haben und vor der Tür in Bottichen gewaschen wird.

Samstag, März 29, 2008

Abschied: 27.03.08



Die letzten Bilder eines vorfrühlingshaft grauen Deutschlands ziehen schemenhaft vorbei. Die Reste des spätwinterlichen Schneeeinbruchs sind noch sichtbar und vereinzelte Schneeflocken versüßen die Aussicht auf 18-20 Grad in Shanghai. Ich sitze im Zug zum Flughafen, wo ein Flieger von Emirates darauf wartet, mich nach Shanghai zu bringen. Für knapp sechs Monate.
Zeit Abschied zu nehmen. Zeit für eine Mischung aus Vorfreude und Unsicherheit, Abschiedschmerz, Tränen und Abenteuerlust. Nur das penetrante Geschwätz der Sitznachbarn - offensichtlich zwei Mittvierziger-Pärchen auf dem Weg zum Pauschal-Abenteuer - stört die melancholischen Reflexionen zwischen zwei Welten. Also, Ohrstöpsel rein, REM drauf und Gedanken sortieren.
Auch wenn ich versuche, so wenig Erwartungen wie möglich zu haben, vermeiden lassen sie sich nicht, und ein paar Hoffnungen gibt es auch.
Ich erwarte ein Land voller Gegensätze im Umbruch, gerade angekommen in der Moderne, mit einer langen Geschichte, die mit allen ihren Verwerfungen weiterwirkt. Ein Land voller Menschen, deren Sprache und kulturellen wie sozialen Verhaltensweisen ich nur rudimentär verstehe. Ich erwarte eine gewisse Abfederung des Kulturschocks durch eine westlich geprägte Umgebung, bedingt durch den Metropolencharakter Shanghais und den Job in einer deutschen Redaktion.
Ich hoffe auf offene und interessante Menschen, auf einen wirklichen Einblick in das chinesische Leben. Ich hoffe darauf, meinen Blick für China zu schärfen, ein Gefühl für das Land zu bekommen. Ich hoffe, dass ich den Job mag und er mich persönlich wie beruflich weiterentwickelt. Ich hoffe, dass ich mit diesem Abenteuer nicht meine Beziehung riskiere.
(Wenn man wüsste, wie schwer der Abschied im Moment des Abschieds fällt, würde man dann weg gehen? Sagt die Intensität des Schmerzes etwas über die Stärke der Bindung oder etwas über ihre Zerbrechlichkeit aus?)
Über dieses konkrete halbe Jahr hinaus ist dieses Praktikum auch der - wohl eher weiche - Übergang in die berufliche Realität. „Weich“ auf verschiedene Arten: Es ist „nur“ ein Praktikum, also keine harte Bewährungsprobe und bekannt aus dem Studium. Durch Freund und Freunde bin ich weiterhin dem studentischen Milieu verbunden. Die finanzielle Seite ist auch eher ernüchternd: Ich habe einen akademischen Grad erreicht, aber inwiefern dieser mir mittelfristig ein Leben über dem studentischen Niveau erlaubt, ist ungewiss. Also, los geht’s.

Samstag, Februar 23, 2008

Fertig

Geschafft. Am Ende. Des Studentenlebens. Auf in die Generation. Praktikum. In Shanghai.